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SP setzt auf einen Laubfrosch, SVP führt Fleischquote ein

Wie feiern Berner Parteien den Nationalfeiertag am nächsten Montag? Hier ein unvollständiger und selbstverständlich nicht ganz ernst gemeinter Ausblick.

Grünes Bündnis und Grüne Freie Liste

Grünes Bündnis und Grüne Freie Liste feiern heuer ein kleines Jubiläum: Es ist bereits das 35. Jahr, in dem sie den Weltuntergang beklagen. Da er nach wie vor nicht eingetroffen ist, trifft man sich melancholisch-freudig beim Glasbrunnen im Bremgartenwald, obwohl dieser, nach Ansicht mehrerer Teilnehmenden, wegen der aktuellen Hitzewelle schon gar nicht mehr in Betrieb sein dürfte. Da viele klimaneutral mit dem Lastenvelo anreisen, verzögert sich der offizielle Festakt um rund anderthalb Stunden. Das Büffet besteht praktisch ausschliesslich aus veganen Köstlichkeiten, die man von marokkanischen Gemüse- und Obsthändlern mit tunesisch-libyschem Migrationshintergrund bezogen hat. Die Süsskartoffeln wurden bei Halbmond geerntet, bei den Grapefruits wurde zugewartet, bis diese sich von selbst entschieden hatten, zu Boden zu fallen. Hauptakt ist eine Video-Liveschaltung in den Kongo mit dem 14-jährigen Diara. Er erklärt voller Stolz, wie er zwischen 15 und 17 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche in einer ungesicherten Kobaltmine die Rohstoffe für Elektroautos schürft, die dann die Klimabilanz der Grünen aufbessern …

SP

Berns Genossinnen und Genossen treffen sich zur 1. August-Feier in der Turnhalle. Die Juso-Fraktion verirrt sich zunächst anderswohin – für sie war klar: Mit «Halle» auf der verschickten Einladung kann nur die Reithalle gemeint sein. Um zu zeigen, wie weltoffen man ist, lädt der SP-Vorstand ein möglichst diverses Publikum ein, darunter auch eine non-binäre trans Lesbe, die nicht eindeutig homosexuell ist und sich im Körper eines Laubfrosches fühlt. Frauenfürze sind aus Diskriminierungsgründen selbstverständlich tabu, dafür werden Knallkörper:innen mit dem Aufdruck «Männergörpse» verteilt. Ein kleines «Feuerwerk» gibt es dann aber doch noch: Ein implodierender Zuckerstock sorgt für tosenden Applaus. Eine grössere Gruppe Politikerinnen und Politiker diskutiert beim hauptsächlich vegetarisch-veganen Apéro (die Häppchen mit Fleisch befinden sich in einem separaten, etwas abgedunkelten Raum. Denn trotz allem: Ein wenig Schwein muss sein …) zudem intensiv über die Einbettung des Genderns in den Alltag. Als ein nicht namentlich genannt wollendes Mitglied fragt, wie denn etwa geistig Beeinträchtigte oder dunkelhäutige Menschen sprachlich sichtbar gemacht werden sollen, herrscht betretenes Schweigen …

FDP

Nicht wenige Freisinnige staunen, als sie via Einladung erfahren, dass die 1. August-Feier direkt neben dem stillgelegten AKW Mühleberg stattfinden soll. Die Botschaft scheint klar: Für die Partei ist die Verteufelung der CO2-neutralen Kernkraftwerke mit ihren radioaktiven Abfällchen, die da ein paar Meterchen ein paar Jährchen unter dem Boden lagern, ein krasser Fehlentscheid! Denn selbstverständlich ist die FDP klimafreundlich – im Vorfeld der Feier wird für die Anreise denn auch Car-Sharing beliebt gemacht. Tatsächlich fahren gleich mehrere
SUV mit zwei oder drei Insassen auf dem Parkplatz vor. Zu späterer Stunde taucht eine dubiose Frau mit Sonnenbrille und Basecap auf, die sich als «Greta Gössi» ausgibt und die Partei auf einen klimafreundlicheren Kurs einschwören will. Als der Alkohol reichlich fliesst, verrät ein Insider: «Das Treffen hier beim ehemaligen AKW … das ist kein politisches Statement. Die Parteiführung wollte für einen Abend einfach wieder mal, wie in den guten, alten Zeiten, wissen, wie es sich anfühlt, wenn man alle anderen überstrahlt …» Da sich manch ein Stadtberner FDP-Mitglied der GLP näher fühlt als der eigenen Partei, werden auch die Grünliberalen eingeladen. Doch niemand von ihnen taucht auf – die meisten GLPler begründeten ihre Absage damit, dass sie Angst hätten, das Verliererimage könnte abfärben …

SVP

Die Volkspartei lädt am 1. August auf den Gurten ein, der an diesem Abend, so heisst es in der Einladung, als «kleines Rütli» dient. Beim Einlass fällt auf: Ungeimpfte kommen schneller ins Festzelt rein als der Rest. Am Nationalfeiertag will sich die SVP tolerant und offen zeigen und lädt deshalb einen prominenten Ausländer ein: Es ist der Zürcher Nationalrat Roger Köppel, der während des Anlasses mit beflissenem Eifer die neuesten Exemplare seiner «Weltwoche» verteilt. Titel: «Krieg ist die einzige Lösung – wieso Putin die Schweiz überfallen muss, um unsere Männlichkeit zu wahren.» Am Büffet ist das Angebot an Steaks und Würsten riesig. «Bei uns gibt es keine Frauen-, dafür eine Fleischquote – aber das ist ja fast das Gleiche», lacht ein SVP-Politiker hämisch. Gegen zehn Uhr abends stimmen dreissig extra aus der Zentralschweiz eingeladene Freiheitstrychler mit ihren Kuhglocken die Nationalhymne an. Zum Nachtisch werden «Mohrenköpfe» aufgetischt. Als ein Gast von «Schoggi-Dessärt» spricht, wird er umgehend des Geländes verwiesen. Doch wieso ausgerechnet Mohrenköpfe? Ein Exponent meint leicht angeheitert: «Wenn wir schon fast keine in der Partei haben, sollen sie uns wenigstens im Gaumen schmecken …»

Erstellt von der Bärnerbär-Redaktion

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