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Die Heimkehr des Nomaden: «YB ist ein tolles Projekt»

Die Young Boys folgen unter Sportchef Christoph Spycher so konsequent wie erfolgreich ihrer Linie und holen junge Spieler, um sie zu entwickeln und weiterzuverkaufen. Umso glücklicher also, wer sich hier eine Chance ergattern kann. Das weiss auch der neue Rechtsverteidiger Saidy Janko.

Sechs Jahre ist es her, als sich der Stadtzürcher entschloss, seine Heimat hinter sich zu lassen, um sich seinen Traum vom Fussball auf der grossen Bühne zu erfüllen. Manchester United hiess die Destination, die ganz grossen Stars plötzlich nicht mehr auf dem TV und der Videokonsole, sondern im Training zum Greifen nah. Nun sitzt der Rechtsverteidiger im Bauch des Stade de Suisse und spricht über seine Rückkehr. Hinter ihm liegen sechs Saisons mit sechs verschiedenen Mannschaften in drei Ländern und vier verschiedenen Ligen, in der Premiere League hat er nie gespielt. Er sagt: «Ich hätte noch das eine oder andere Angebot gehabt, doch nachdem ich bereits vor einem Jahr Gespräche mit Christoph Spycher geführt hatte, war für mich klar, dass ich nach Bern möchte.» «Der Wechsel zu den Young Boys ist kein Rückschritt.» Tatsächlich hat der frühere FCZ-Junior und mehrfache Junioren-Internationale mit 23 Jahren mehr gesehen als mancher Veteran. Anders als man es erwarten würde, war er bei all seinen Vereinen kein chronischer Bankdrücker oder Tribünengast, sondern mit mal schönerer und mal weniger schönerer Regelmässigkeit auf dem Platz anzutreffen. Sesshaft wurde er nirgends. Er gehörte Manchester United, Celtic Glasgow, der AS Saint-Étienne und dem FC Porto, wurde aber auch drei Mal in die zweithöchste Liga Englands ausgeliehen. Für seinen aktuellen Arbeitgeber Porto, bei dem er noch bis 2021 unter Vertrag steht, hat er kein Spiel absolviert, das letzte Jahr verbrachte er als Leihspieler in Nottingham. Nach einer guten Saison in Saint-Étienne hatte ihn die Klubleitung des portugiesischen TopKlubs im Sommer 2018, ohne sich mit ihrem Trainer abzusprechen, verpflichtet. Was genau gelaufen sei, wisse er nicht.

Die «Reinheit»
vermisst Umso angenehmer empfindet es der Zürcher, nun in Bern an einem Ort angekommen zu sein, der ihm etwas Wärme vermittelt. Er mag die Stadt, die ruhigere Art der Leute, aber auch den Klub. Von allem Anfang habe er hier menschliche Wärme gespürt, dank der transparenten Haltung des Vereins und der offenen Art von Sportchef Spycher und Trainer Seoane, wisse er immer, wo er stehe. «Diese ‹Reinheit› habe ich im Ausland je länger, je mehr vermisst.» Dass er nun wieder näher bei der Familie und seinen Freunden lebt, ist ein weiterer grosser Wohlfühlfaktor, der ihm entgegenkommt.

Djibril Sow als Vermittler
Umgekehrt, das darf auf keinen Fall unterschlagen werden, gibt es auch ein paar triftige karrieretechnische Gründe, die die Young Boys in Saidy Jankos Gunst bis an die Spitze steigen liessen. Da wäre sein Jugendfreund Djibril Sow, 22, der ihm ausnahmslos Gutes über die Berner erzählt hatte. Die beiden haben in den Grundzügen ähnliche Biografien: Sie sind gemeinsam im Stadtzürcher Kreis 4 aufgewachsen, durchliefen beide die Nachwuchsabteilung des FC Zürich und zogen schon als Teenager ins Ausland. Bis heute pflegen sie engen Kontakt. Nur logisch, dass der Weg von Dijbril Sow, der in seinen zwei Jahren bei YB zwei Mal Meister geworden ist, die Aufnahme in den engeren Kreis der Nationalmannschaft geschafft hat und diesen Sommer von Eintracht Frankfurt verpflichtet wurde, seinen Freund Saidy Janko inspirierte. Ein weiteres Motiv ist die Philosophie, mit der man in Bern unter Sportchef Spycher arbeitet. Auf junge Spieler zu setzen und sie zu entwickeln: Das ist attraktiv für einen talentierten Fussballer wie Janko, der im internationalen Fussball zwar schon viele Erfahrungen gesammelt hat, in seiner Karriere aber immer noch im AnSaidy Janko 22. Oktober 1995 | 181 cm | 83 kg Nationalität: Schweiz | Position: Verteidigung Vereine: BSC Young Boys, FC Porto, Nottingham Forest, AS St. Étienne, Celtic Glasgow, FC Barnsley, Manchester United U23, Bolton Wanderers, FC Zürich U18/U17 Macht auf seiner Europareise Halt in Bern: Saidy Janko. Foto: Pius Koller fangsstadium steht. «Der Wechsel zu den Young Boys ist kein Rückschritt», betont er mit Nachdruck. «YB ist ein tolles Projekt, mit einer jungen, hungrigen und talentierten Mannschaft. Ich will hier Fuss fassen, viel spielen und Spass haben.» Dass er sich für seinen Platz auf der rechten Abwehrseite auch hier aufdrängen muss, liegt zwar auf der Hand, doch die Chancen auf regelmässige Einsätze stehen prinzipiell gut, schliesslich wurde er im Zuge des Abgangs von Kevin Mbabu verpflichtet. Einem Spieler, dem er in seinem Stil – schnell, physisch stark, offensiv – ähnlich ist.

Überall in der Welt zuhause
Die Rückkehr in die Schweiz soll überdies etwas Stabilität in seine Laufbahn bringen. Gerne wäre er schon früher einmal zwei, drei Jahre am selben Ort geblieben, doch das habe «leider nicht geklappt». Sollte dieses Unterfangen indessen – aus welchen Gründen immer – auch dieses Mal nicht gelingen, wäre das kein Weltuntergang. Das Leben als Nomade bereitet dem Sohn eines Gambiers und einer Italienerin keine Mühe, im Gegenteil: Er habe es sogar schätzen gelernt. Er sei zwar Schweizer, fühle sich aber überall auf der Welt zuhause. «Ich bin ein Familienmensch, hatte aber nie Heimweh und kam von Beginn weg sehr gut allein zurecht.» Bereuen tut er gar nichts, sein Leben als Profi-Fussballer auf der Durchreise hatte schliesslich seine Vorzüge. Auch die Ziele sind grundsätzlich die gleichen geblieben: «Top-Niveau, internationale Top-Ligen, Nationalmannschaft – das Beste halt.»

Matthias Müller/Foot

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