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Erblich belastet: Wie die Mutter, so die Töchter

Vor fast auf den Tag genau 23 Jahren landete die lettische Profi-Volleyballerin Anita Rosijska in Zürich-Kloten. Abgeholt wurde die damalige Volleyball-Weltklassespielerin von Beat Ackermann, dem ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten von Volley Köniz. Heute spielen die Töchter Céline und Michelle im Fanionteam des NationalligaB-Klubs.

Die damalige Reise nach Kloten bereute Beat Ackermann nie. Schon bald wurde aus Anita Rosijska Frau Ackermann, mit Köniz holte sie mehrere Schweizermeister-Titel und Cupsiege. Heute unterstützt sie ihre Töchter, wenn diese auf dem 162 Quadratmeter grossen Volleyballfeld schwitzen und für Edelline Köniz passen und eifrig Punkte sammeln. Céline und Michelle wurde der Volleyball-Sport zwar in die Wiege gelegt, doch gezwungen wurden sie nie, diesen Sport auszuüben. «Unsere Eltern wären auch glücklich geworden, hätten wir eine andere Sportart gewählt», berichtet Céline Ackermann. Volleyball indes gefiel den beiden Töchtern und so stehen sie heute auf dem Feld, die Mutter hilft im Klub-Bistro und der Vater ist im Auf- und Abbauteam an den Heimspielen und unterstützt seine drei Frauen nach bestem Wissen und Gewissen. Céline, eben erst 20 geworden, ist fast vier Jahre älter als Michelle und Captain des Nationalliga-B-Teams. Sie hat eine Dreifachfunktion im Verein: Sie ist Captain, Passeuse und Leiterin der Geschäftsstelle, dazu absolviert sie neben Eishockeyanern, Karatekas, Fussballern, Handballern und Golfspielern in einer Klasse der Feusi-Sportschulen die Berufsmatura. Ihr Tagespensum ist randvoll. «Zweimal täglich Training, dazu ein Spiel am Wochenende, die Leitung der Geschäftsstelle und die Schule – da kann keine Langeweile aufkommen», sagt Céline Ackermann.

Hohe Ziele in Köniz
Obwohl ihr zahlreiche Angebote hochkarätiger NLA-Vereine ins Haus flatterten, hielt Céline Ackermann den Könizerinnen die Treue. «Ich spüre, dass bei uns wieder Grosses heranwächst, dass wir an alte, glorreiche Zeiten anknüpfen können. Wir haben höhere Ambitionen als im Vorjahr, wollen mindestens in die Playoffs. Wir haben starke Spielerinnen geholt, die Stimmung ist gut, es herrscht kein Zickenkrieg, der Trainer hat alles bestens im Griff.» Der Trainer, das ist der Lette Agris Leitis, mit dem sich die viersprachige Céline in ihrer Muttersprache unterhält. Die Zeiten, in denen Edelline Köniz nach sechs Meistertiteln und vier Cupsiegen seit der Jahrhundertwende mit ständigen Wechseln im Kader für negative Schlagzeilen sorgte, gehören endgültig der Vergangenheit an. Das ist auch ein Grund, dass Céline Ackermann, die trotz ihrer Jugend bereits über viel Erfahrung verfügt, Köniz treu blieb. «Wir wollen an erfolgreiche Zeiten anknüpfen – die Stimmung stimmt, an unseren Heimspielen treffen sich wieder Verwandte, Freunde und Kollegen, das Team steht ganz klar im Vordergrund, alle identifizieren sich mit dem Verein. Sollte es uns gelingen, wieder aufzusteigen, was das mittelfristige Ziel ist, habe ich etwas erreicht, was in der Schweiz noch nicht manche Spielerin geschafft hat. Hoch, Tief und jetzt wieder ein Hoch, das ist mein Ziel.»

«Bärndütsch» ist Trumpf
War das Team von Edelline Köniz jahrelang eine Ansammlung von Söldnerinnen, ist heute wieder «Bärndütsch» Trumpf. Elf Schweizerinnen und eine Amerikanerin stehen im Frauenteam, Céline Ackermann kommt ein grosses Verdienst zu, dass das sinkende Schiff gerade noch rechtzeitig gerettet und auf Kurs gebracht werden konnte. Sie führt nicht nur auf der Geschäftsstelle, sondern ebenso als Passeuse – auch diese Position hat sie von der Mutter geerbt – auf dem Feld. «Es ist schön, was derzeit bei uns passiert – auf schlechtere Zeiten folgen in Köniz wieder gute. Auch dank Anita Ackermann, die vor über 20 Jahren nach Köniz kam und nie mehr weg ging. Jetzt sollen ihre zwei Töchter zusammen eine neue Erfolgsgeschichte schreiben.

Pierre Benoit

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